Fachtagung

Migration — Bildung — Anerkennung

Der Versuch, Anschlussfähigkeit zwischen globalen Bildungsbiographien und nationalen Hochschulstrukturen herzustellen

Institut für Pädagogik
an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Bedauerlicherweise müssen wir vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden Coronavirus-Fälle und der damit einhergehenden Empfehlungen der Niedersächsischen Landesregierung vom 13.03.2020 die Fachtagung „Migration – Bildung – Anerkennung. Der Versuch, Anschlussfähigkeit zwischen globalen Bildungsbiographien und nationalen Hochschulstrukturen herzustellen“ verschieben. Ein Ersatztermin ist für November/Dezember 2020 geplant und wir werden Sie zeitnah informieren.
Wir bitten um Ihr Verständnis und freuen uns, Sie auch beim Nachholtermin der Fachtagung als Teilnehmer*innen begrüßen zu dürfen.
Bei Fragen senden Sie gerne eine E-Mail an: tagung.bildung.anerkennung@uni-oldenburg.de.

Es gibt viele Geflüchtete und Migrierte, die auf eine akademische Bildungsbiographie, die sie in ihren Herkunftsländern begonnen oder abgeschlossen haben, zurückblicken und in den jeweiligen Aufnahmeländern — also z. B. in Deutschland — nach geeigneten Angeboten suchen, um sie fortzusetzen. Häufig sind sie allerdings damit konfrontiert, dass ihre erworbenen Hochschulabschlüsse nicht oder nicht ohne Zusatzbedingungen oder Zusatzqualifikationen anerkannt werden. Und neben dieser eher formalen Nicht-Anerkennung wirken familiäre Belastungen, finanzielle Hürden, sprachliche Barrieren und unüberschaubare Lebenssituationen als Gründe, die eine Fortsetzung der akademischen Bildungsbiographie erschweren. Zudem ist es in vielen Disziplinen und Professionen oft keine leichte Aufgabe, die bereits erworbenen Wissensbestände und Kompetenzen in den neuen Handlungsfeldern nutzbar zu machen und zu erweitern, zumal Möglichkeiten und Kompetenzen, die zum Beispiel durch Herkunftssprachen, internationale Netzwerke, spezifische Lebenserfahrungen und günstige Ansatzpunkte für komparative Kompetenzen vorhanden sind, eher selten als Ressourcen gesehen werden. All dies gilt auch und vielleicht sogar in besonderer Weise für (sozial-)pädagogische, psychosoziale und sozialwissenschaftliche Berufsgruppen.

Insgesamt stehen einem ›direkten‹ Übergang allzu oft formale und informelle Nicht-Anerkennungsverhältnisse entgegen. Naheliegender Weise möchten viele trotzdem ihre akademische Bildungsbiographie fortsetzen, benötigen dazu aber Angebote, die mehr oder weniger passgenaue Anschlüsse ermöglichen.

Nun ist es leider in Deutschland, aber (nach unserem Wissensstand) auch in der gesamten EU immer noch ungewöhnlich, dass sich Fachdisziplinen an Hochschulen in der Verantwortung sehen, Bildungs- und Studienangebote zu entwickeln, die hier ansetzen. In den verschiedenen Fachdisziplinen, auch in der Sozialen Arbeit und den Erziehungs- und Sozialwissenschaften, wird zwar häufig die Förderung des akademischen Nachwuchses thematisiert und mit Maßnahmen unterlegt, Geflüchtete und Migrierte mit (begonnener) akademischer Bildungsbiographie geraten jedoch kaum als Teil der jeweils eigenen scientific community in den Blick. Verbreitet sind Programme, die hochschulweit eine Art Studium generale oder (seit 2015) ein allgemeines Orientierungsjahr anbieten. Es fehlen jedoch spezifische Angebote, die direkt mit fachlichen Themen und Inhalten verbunden sind, einen Abschluss in dem entsprechenden Studienfach ermöglichen und von dieser Fachdisziplin ausgehen. Auch an einzelne Fächer gekoppelte akademische Weiterbildungsangebote für Geflüchtete, die von Vertreter*innen einer Fachdisziplin initiiert und verantwortet werden, sind sehr selten. Zudem führen vielfach unangemessen hohe Sprachprüfungsniveaus zu systematischer Abschottung und Entmutigung, anstatt nach Wegen zu suchen, um fachliches Lernen und sprachliches Lernen eng miteinander zu verbinden und Sprachlernprozesse innerhalb eines Studiengangs zu ermöglichen. Auch fehlt es an Stipendiensystemen, die ein Sich-Weiterbilden und Studieren unterstützen.

Die Fachtagung möchte Akteur*innen zusammenbringen, die Erfahrungen mit Maßnahmen, Programmen, Weiterbildungsangeboten, der Öffnung von Hochschulen und der Entwicklung und Durchführung von Studiengängen im Bereich Pädagogik, Soziale Arbeit, Psychologie und Sozialwissenschaften gesammelt haben, um Zugangsbarrieren für Geflüchtete und Migrierte abzubauen und Möglichkeiten zu eröffnen, akademische Bildungsbiographien fortzusetzen. Es geht erstens um das Gewinnen einer Übersicht zu diesem wichtigen hochschulpolitischen und hochschulpraktischen Handlungsfeld, zweitens um den Austausch zu erfolgversprechenden Ansätzen, drittens um die Vernetzung ihrer Akteur*innen, viertens um die Markierung und Analyse von Hindernissen und Gegenkräften und fünftens um ein hochschulpolitisches Zeichen in einer Hochschullandschaft, in der Geflüchtete und Migrierte mit akademischer Bildungsbiographie meist übersehen und ignoriert werden.

Die Anmeldung zur Tagung ist bis zum 15. März 2020 möglich. Melden Sie sich hierfür bitte auf der Anmeldeseite an. Bei Fragen senden Sie bitte eine E-Mail an: tagung.bildung.anerkennung@uni-oldenburg.de


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